50-JAHRE-TOUR 2006

 

"Mit der JAWA zum Großglockner"

Im Jahr 2006 wurde meine JAWA 50 Jahre alt. Ein Grund für mich eine ganz besondere Tour zu planen. Die Vorbereitung begann bereits im Frühjahr. Als Reiseziel hatte ich mir den Großglockner im Salzburger Land ausgesucht, was mir das mitleidige Lächeln vieler Bekannten und Freunde einbrachte. Die Maschine war in einem guten Zustand. Lediglich das Reisegepäck und die benötigten Betriebsmittel mussten irgendwie verstaut werden. Über Ebay ersteigerte ich mir deshalb ein Kappa-Topcase, welches sich hervorragend auf dem Gepäckträger montieren ließ. Durch eine Lackierung in JAWA-Rot mit Goldstreifen wurde es dem optischen Erscheinungsbild des Motorrades angepasst. Im Topcase konnte ich bequem die benötigten 4 Liter Motorenöl, denn Gemisch im Verhältnis 1 : 25 ist an kaum einer Tankstelle zu bekommen, Karten, Digitalkamera, Regenkombi und die gegebenenfalls während der Fahrt benötigten Kleinteile verstauen. Warnweste und Sanipack wurden ebenfalls gemäß ADAC-Empfehlung im Topcase verstaut, da das Mitführen in Österreich vorgeschrieben ist und von der Polizei bei deutschen Motorradfahrern besonders gern kontrolliert wird. Eine 40 Liter Packrolle kaufte ich mir für den Transport von Wechsel- bzw. Freizeitkleidung, Waschzeug, Schuhputzzeug etc... Ursprünglich wollte ich diese Rolle mit Gummiseilen auf des Soziussitz der Sitzbank befestigen, stellte jedoch bei einem Test fest, dass das Auf- und Absteigen dadurch fast unmöglich ist - man ist halt auch nicht mehr der Jüngste. Deshalb fertigte ich mir aus einem vorhandenen, alten Heckgepäckträger einen Seitenträger an, den ich auf der rechten Motorradseite anschraubte. So konnte die Gepäckrolle gut verstaut werden und behinderte in keiner Weise. Die Reiseroute hatte ich so festgelegt, dass ich keine Autobahn, sondern von Beginn an landschaftlich schöne Land- und Bundesstraßen benutzte.
 
1. Tag - 16.07.2006
Pünktlich um 07:30 Uhr startete ich von Roßleben in Nordthüringen. Die JAWA war vollgetankt und das Gepäck vollständig verstaut. Meine Fahrt führte über den Höhenzug der Finne, der das Unstruttal südlich begrenzt, nach Weimar. Ich hatte geplant auf der B 85 den Thüringer Wald zu durchqueren und über Saalfeld nach Franken zu gelangen. In Bad Berka war jedoch bereits die erste Streckenänderung notwendig, denn die B 85 war zwischen Bad Berka und Rudolstadt voll gesperrt. Ich folgte der regulären Umleitung über Kranichfeld, Stadtilm entlang der B 87, um mit etwa 30 km Umweg wieder auf der B 85 in Rudolstadt anzukommen. Hoch über Rudolstadt erhebt sich Schloss Heidecksburg, eines der prunkvollsten Barockschlösser Thüringens. Hinter Saalfeld passierte ich kurz vor Ludwigstadt die Landesgrenze zum Freistaat Bayern. Von hier aus konnte ich mich nicht nur an den Bundesstraßenschildern der B 85 orientieren, denn die Straße ist ab diesem Bereich als deutsche "Bier- und Burgenstraße" ausgeschildert. In Kulmbach hatte ich ca. die Hälfte der Tagestour erreicht und ein "Gasthof zur Goldenen Schwalbe" (Mc Donalds) tauchte wie bestellt am Straßenrand auf. Nach einem kurzen Mittagessen und einer Cola setzte ich die Fahrt in Richtung Bayreuth fort. An einer Shell-Tankstelle entlang der Straße legte ich meinen ersten Tankstopp ein. Wie vermutet, war kein Zweitaktgemisch verfügbar. Ein Blick in den Tank zeigte, dass etwa 8 Liter Benzin benötigt wurden. Aus meinem Ölvorrat im Topcase wurden also reichlich 300 ml Zweitaktöl in den Tank gegossen und mit Normalbenzin bis zur Oberkante aufgefüllt. In Bayreuth hatte ich mich zunächst kurz verfahren. Anstatt die Autobahn an der Anschlussstelle Bayreuth-Süd zu kreuzen stand ich plötzlich an der Auffahrt Bayreuth-Nord. So war doch ein kurzer Autobahnabschnitt mit "flotten" 90 - 100 km/h angesagt, bis ich an der Abfahrt Bayreuth-Süd wieder auf die B 85 gelangte. Über Pegnitz und Auerbach i. d. Oberpfalz folgte ich der Bundesstraße bis Sulzbach-Rosenberg. Dort bog ich nach rechts auf eine Landstraße ab, über die ich die B 299 etwa 15 km vor Neumarkt ereichte. Über Berching und Beilngries entlang der B 299 erreichte ich Paulushofen, wo ich auf die Landstraße in Richtung Altmühltal abbog. Nach einem kurzen Stück auf der Deutschen Limesstraße kreuzte ich bei Denkendorf die A 9 und fuhr parallel zur Autobahn bis Lenting. Nach wenigen Kilometern traf ich gegen 15.30 Uhr, eine halbe Stunde früher als geplant, in Ingolstadt ein. Der Tacho zeigte 402 Km.
 
2. Tag -17.07.2006
Nachdem der erste Tag darauf ausgerichtet war die rund 400 km bis Ingolstadt zu schaffen, trug der zweite Tag mehr Tourcharakter, denn es waren nur 258 km zu bewältigen. Es war kurz vor 08.00 als ich in Ingolstadt startete und nach dem zweiten Tankstop, auf der B 13 parallel zur A 9 über Pfaffenhofen in Richtung München fuhr. Vor München wechselte ich auf die B 471 in östlicher Richtung und umfuhr dadurch die Innenstadt. Trotz starkem Fahrzeugverkehr konnte ich einen Blick auf die neue "Allianz-Arena" werfen. Ab Haar fuhr ich dann entlang der B 304 über Grafing und Wasserburg am Inn, von wo aus die Straße als "Deutsche Ferienroute Alpen - Ostsee" gekennzeichnet ist, bis Obing. Da ich bis hierher sehr schnell vorangekommen war, entschloss ich mich zu einem Abstecher an den Chiemsee. Die Strandpromenade mit Blick auf den Yachthafen von Seebruck war der richtige Ort für eine etwas längere Rast, zumal ich die erste Hälfte der Tagestour bereits zurückgelegt hatte. Frisch gestärkt rollte ich auf einer schmalen Landstraße entlang des Chiemseeufers bis Chieming und bog schließlich nach Traunstein ab. Hier bot es sich an den nächsten Tankstop einzulegen. Mit den Bergen vor Augen ging die Fahrt weiter entlang der Deutschen Ferienroute über Inzell bis Schneizlreuth. Von hier aus folgte ich dem Lauf der Saalach über den Steinpass und hatte damit Österreich erreicht. Am Grenzübergang vor dem Wappen des Landes Salzburg war natürlich ein Fotohalt angesagt. Ein englischer Biker mit einer Honda CBR hatte die gleiche Idee. Wir waren uns gegenseitig beim Fotografieren behilflich und setzten anschließend gemeinsam die Fahrt bis Lofer fort, von wo aus er nach Innsbruck abbog. Nach der Fahrt entlang der malerischen Landschaft am Steinernen Meer erreichte ich Saalfelden. Es war gegen 15.30 Uhr als ich an der Pension Schmiderer im Saalfeldener Ortsteil Kehlbach eintraf, in der ich mir per Internet ein Einzelzimmer gebucht hatte. Von den Wirtsleuten wurde ich sehr freundlich empfangen und auch eine Unterstellmöglichkeit für die JAWA war schnell gefunden. Das Zimmer in der ersten Etage war komfortabel ausgestattet und der Balkon bot einen herrlichen Ausblick auf die Berge. Nach einer Verschnaufpause und einer Dusche machte ich mich zu Fuß auf den Weg zum Gasthof "Hinterburgstubn", wo für Pensionsgäste ein Abendessen zu einem günstigen Preis angeboten wurde.
 
3. Tag -18.07.2006
Für diesen Tag war der Höhepunkt meiner Motorradtour geplant. Ich unternahm von Saalfelden aus eine Tagestour mit zwar nur 138 Gesamtkilometern, jedoch extremen Höhenunterschieden, entlang der Großglockner Hochalpenstraße. Meine Gepäckrolle und den großen Teil des Motorenöls konnte in der Pension bleiben, da ich am Abend nach der Passage des Großglockners über den Felbertauerntunnel dorthin zurückkehren wollte. Aber es kam anders. Nach einem reichhaltigen Frühstück startete ich von Saalfelden in Richtung Zell am See. Das Wetter präsentierte sich mit strahlendem Sonnenschein. In Zell nutzte ich den dortigen Straßentunnel und musste nach wenigen hundert Metern im Tunnel feststellen, dass meine JAWA aufgrund des wesentlich geringeren Sauerstoffgehaltes in der Luft des Tunnels kaum noch vorwärts kam. Der Motor machte den Eindruck als hätte ich versehentlich die Drosselklappe am Luftfilter geschlossen. Ich war erleichtert als ich die Sonne am Tunnelende vor mir sah und der Motor wieder problemlos funktionierte. Deshalb entschloss ich mich sofort, keinesfalls durch den wesentlich längeren Felbertauerntunnel zurückzufahren, sondern auch für die Rückfahrt die Hochalpenstraße zu nutzen. Unmittelbar hinter Zell am See in der Gemeinde Bruck bog ich auf die Großglockner Hochalpenstraße ab. Trotz des frühen Vormittags waren bereits viele PKW und Biker unterwegs. An der Mautstelle in Ferleiten war in allen drei Abfertigungsspuren starker Andrang, der mit einer erheblichen Wartezeit verbunden sein würde. Ein älterer Beschäftigter der Mautstelle winkte mich jedoch mit der JAWA aus der Schlange heraus und fertigte mich über den Fußgängerübergang sofort ab. Er erzählte mir dabei, dass er früher selbst eine 175er JAWA besessen habe. Mit einigen guten Tipps, kostenlosen Aufklebern und Prospektmaterial konnte ich die Fahrt sehr schnell fortsetzen. Von nun an ging es über eine Strecke von ca. 20 km stetig bergauf. Steigungen von 12 - 18 % wechselten sich mit engen Spitzkehren ab. Ungefähr in der Hälfte der Strecke steuerte ich einen Parkplatz an, um dem Motor, der problemlos lief, eine Pause zum Abkühlen zu gönnen. Ich stellte die Maschine auf den Ständer und setzte mich etwas abseits auf eine Bank. Zu meinem Erstaunen versammelten sich sofort einige Motorradinteressierte um die JAWA, fachsimpelten und berichteten über eigene Motorraderfahrungen. Da ich ausreichend Zeit hatte, antwortete ich so gut ich es konnte in deutscher oder englischer Sprache, auf die gestellten Fragen zum Baujahr, Motorleistung und Höchstgeschwindigkeit des Motorrades und zum Ziel meiner Reise. Weiter ging die Fahrt Richtung Gipfelpunkt. Auf dem Parkplatz Fuschertörl (2407 m ü. d. M.)legte ich eine weitere Rast ein, um nach einem kleinen Imbiss im dortigen Rasthaus, noch einen Abstecher zur "Edelweißspitze" mit dem dort befindlichen Bikers-Point auf 2577 m zu machen. Anschließend fuhr ich durch das Hochtor, dem Gipfelpunkt der Hochalpenstraße, vorbei an der Franz-Josefs-Höhe, bis Heiligenblut. Da es bereits gegen 14.00 Uhr war entschloss ich mich zu wenden und aufgrund meiner morgendlichen Tunnelerfahrung die Großglockner Hochalpenstraße zurück über den Gipfel zu fahren. Während die JAWA in der Steigung keinerlei Probleme hatte merkte ich jedoch, dass bei der Talfahrt die fast ständig betätigten Bremsen sehr heiß wurden. Mit niederen Gängen und gelegentlichen Pausen wurde auch die Talfahrt gemeistert. Mit vielen Eindrücken und Begegnungen fuhr ich durch Zell am See (ohne den Tunnel zu benutzen) zurück nach Saalfelden. Trotz der wenigen Kilometer war ein erneuter Tankstop dringend nötig, denn die Steigungen hatten den Verbrauch stark in die Höhe schießen lassen. Gegen 17.00 Uhr traf ich wieder an der Pension ein.
 
4. Tag -19.07.2006

Am Vortag hatte ich bereits abgesprochen, dass ich an diesem Tag schon um 07.00 Uhr frühstücken möchte. Ich hatte mir vorgenommen an diesem Tag die über 600 km zurück nach Nordthüringen zu fahren. So konnte ich bereits 7.30 Uhr die Heimfahrt antreten. Bis Traunstein fuhr ich entlang der Route, die ich bei der Anreise benutzt hatte. Vorbei an Trostberg wechselte ich in Altenmarkt auf die Bundesstraße 299 bis Altötting und fuhr von dort aus nach Eggenfelden weiter. Ab Eggenfelden konnte ich die B 20 nutzen, die fast gerade nach Norden bis Cham führt. Die B 20 ist tadellos ausgebaut und ermöglicht ein schnelles Vorwärtskommen, da kaum Ortsdurchfahrten vorhanden sind. In Landau an der Isar war es aber zunächst höchste Zeit zum Nachtanken. Und da ich ohnehin von der Bundesstraße abfahren musste, besuchte ich gleich noch den an der Abfahrt gelegenen Mc Donalds um Mittag zu essen. Kurz nachdem ich wieder auf die B 20 aufgefahren war, schlug dann doch auch bei meiner JAWA die "Defekthexe" zu. Plötzlich wurde das Geräusch aus dem rechten Endschalldämpfer erheblich lauter. Beim sofortigen Halt stellte ich fest, dass sich die Muttern am Ende des Endrohres gelöst hatten und der Schalldämpfer deshalb locker war. Mit dem passenden Schlüssel aus dem Bordwerkzeug war das Problem in wenigen Minuten behoben und die Fahrt konnte fortgesetzt werden. Ab Cham wechselte ich auf die B 22 die in nordwestlicher Richtung direkt über Weiden nach Bayreuth führt. Eigentlich hatten die JAWA und ich schon ein Tagespensum von fast 400 km absolviert und mein Rücken meldete sich leicht schmerzhaft. Ich dachte nach, ob ich doch noch einmal übernachten sollte, verwarf aber den Gedanken recht schnell, da es gerade mal 15.00 Uhr und damit noch früh am Tage war. Der Verkehr auf der B 2 war zähfließend, da sie vermutlich wegen Stau auf der A 9 als Umleitungsstrecke genutzt wurde. Hinter Hof überquerte ich die Grenze von Bayern zu Thüringen, die ich fast nicht bemerkte, wenn mich nicht ein großes Schild im Freistaat Thüringen willkommen geheißen hätte. Mit Heimatboden unter den Rädern konnte es nun nur noch vorwärts gehen - aber leider nur bis kurz vor Schleiz. Wegen einer Radsportveranstaltung war das Schleizer Dreieck und damit die B 2 gesperrt. Es folgte eine extrem schlecht beschilderte Umleitung - die mich schon an eine Odyssee erinnerte, bis der Verkehr schließlich auf die Autobahn 9 geleitet und an der Anschlussstelle Dittersdorf herausgezogen wurde. Hätte ich auf die Karte geschaut, wäre ich sicherlich bis Triptis auf der A 9 geblieben. So führten mich die Umleitungsexperten fast bis zurück nach Schleiz um wieder auf die B 2 zu gelangen - Umweg ca. 35 km!!! Es war zwischenzeitlich bereits 18.00 Uhr als ich an einer OIL-Tankstelle nördlich von Schleiz meine JAWA nochmals volltankte. Die restliche Strecke über Hermsdorf, Camburg, Bad Sulza und Eckardtsberga war mir von mehreren Ausfahrten zu Bikertreffen im Vogtland gut bekannt. Exakt 20.00 Uhr hatte ich meinen Heimatort erreicht. 12,5 Stunden Fahrtzeit (incl. der Pausen) und 635 km Strecke lagen hinter mir und der JAWA.

 
Insgesamt habe ich mit meiner 50-jährigen JAWA in nur vier Tagen eine Strecke von 1432 km zurückgelegt und dabei Höhenunterschiede von über 2000 Metern überwunden. Ich denke, dass ist ein Grund auf das Motorrad mit seinen 250 ccm-Motor und den 12 PS stolz zu sein. Die "Thüringer Allgemeine" berichtete am 30.09.06 in einem Artikel über die Tour. Fotos der Tour gibt es in der Bildergalerie.
 
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